Donnerstag, 11.07.19 und Freitag 12.07.19

Nach Erfrischung in den Sanitäranlagen wird das Frühstück wieder im Lokal „Fortuna“ eingenommen, wobei nach kurzer Zeit auch der Skipper zur Mannschaft stößt. Das Bedienungspersonal im „Fortuna“ fragt nicht mehr lange nach den Wünschen der Seefahrer, da seit Jahren immer wieder quasi identisch bestellt wird, und so kommen Ham and Eggs, Toast und Omelette auf den Tisch. Nach dem sehr geruhsamen Frühstück legen wir um 10:50 Uhr gekonnt ab und fahren in Richtung Rogoznica, welches nur wenige Seemeilen entfernt auf einer Halbinsel liegt und wo wir einen Liegeplatz im Stadthafen reserviert haben.

Da inzwischen etwas Wind aufgekommen ist, beschließt die Neigungsgruppe „Segeln“, die sich im Wesentlichen auf Gusti (ein über Jahrzehnte erfahrener begeisterter Segler), Martin (ebenso begeistert, aber weniger erfahren) und eventuell noch Harry (quasi der Segellehrbub) beschränkt, die Leintücher herauszulassen und nur mit Windeskraft voranzukommen.

Tatsächlich lassen sich die Segel herausfahren (wir fuhren auch schon einmal ein Segelschiff, wo dies während des gesamten Törns nicht möglich war) und die wenigen Knoten Wind reichen für ein relativ zügiges Vorankommen. Es wird gekreuzt, dass es eine Freude ist, der Baum schlägt mit Ehrfurcht gebietender Wucht von links nach rechts und umgekehrt (Thomas, welcher an einer ausgeprägten Segelallergie leidet, kann unter Deck kaum seinem Ruhebedürfnis nachkommen), Gusti gibt knappe Empfehlungen, welche von Martin mutig und zügig umgesetzt werden. Nach längerem begeistertem Segeln, welches vom Skipper stets kritisch verfolgt wird, werden die Segel eingeholt und die Motoren übernehmen wieder die Verantwortung für die Vorwärtsbewegung.

Das Anlegemanöver im Hafen von Rogoznica erfolgt laut Logbuch um 15:00 Uhr, eine unter Wasser befindliche Kante an der Hafenmauer erfordert besondere Vorsicht. Direkt auf der Hafenmole befindet sich die Flaniermeile von Rogoznica, von wo die Flanierenden direkten Einblick auf das Boot und seine Mannschaft genießen, aber auch umgekehrt kann man vom Boot aus viele Menschen und Hunde beobachten. Mehrere Crewmitglieder gehen zum nahegelegenen Badestrand, der Rest bewacht das Boot bzw. gibt sich dem Ruhebedürfnis oder Lesevergnügen hin.

Gegenüber der Anlegestelle befindet sich das allen seit Jahren bekannte Lokal „Antonio“, wo ein Tisch für das Abendessen reserviert wird. Bevor das Abendessen um 20:00 Uhr eingenommen wird, wird unser alljährliches Crew-Gruppenfoto geschossen, für das Thomas jedes Jahr gewissenhaft unsere Crewleiberln mit der aktuellen Jahreszahl bedrucken lässt (die befindet sich allerdings auf der Rückseite der Shirts, sodass schon ein gewisses Insiderwissen dazugehört, die Jahre auseinanderzuhalten und richtig zuzuordnen). Diesmal hat Thomas auch Seefahrer-Mützen und Halstücher aus dem Faschings-Fundus besorgt, was auf den Fotos die Seriosität der Mannschaft mehr als unterstreicht.

Das Essen ist, wie in diesem Lokal gewohnt, ausgezeichnet, jeder einzelne ist sehr zufrieden und wir werden vom Padrone einzeln mit Handschlag verabschiedet. An Bord werden die Reserven an harten Getränken mit Gin Tonic (Harry hat dankenswerter Weise wieder Tonic besorgt) und Cuba Libre (Cola-Rum) ihrer Bestimmung zugeführt, und für den nächsten Morgen das Aufstehen spätestens um acht Uhr vereinbart, da am letzten Tag eine längere Fahrstrecke zurückzulegen ist.

Am Freitagmorgen sind wirklich alle (auch Skipper Martin) um acht Uhr einsatzbereit und zuerst wird eine weitere Version des Crewfotos im Morgenlicht mit Schiffshintergrund angefertigt. Danach begeben wir uns auf die Suche nach einem Frühstückslokal, wir werden hin- und hergeschickt, werden jedoch nicht fündig. Thomas besorgt in einer Bäckerei als Notlösung einige Krapfen, dann fahren wir aus in Richtung Biograd, um den Katamaran zurückzugeben und unsere Heimreise anzutreten.

Die längste Fahrt unseres Törns wird von einem Tankstopp in Tribunj unterbrochen, wo wir das Schiff auftanken. Dort warten nur wenige Boote, und der Tankstopp ist in relativ kurzer Zeit routiniert erledigt. Wir haben diesmal so wenig Diesel wie noch nie nachgefüllt, was natürlich auf die eher kurzen Strecken zwischen den einzelnen Zielhäfen zurückzuführen ist. Aber das war unsere Absicht, und der/die treue Leser/Leserin unserer Reiseberichte erkennt, dass es auch möglich ist, nette Abenteuer zu erleben, ohne möglichst viele Seemeilen in kurzer Zeit zurückzulegen. Nach der Bootsrückgabe werden wir noch heute unseren Opel-Bus beladen und uns auf den Weg nach Hause machen. Hochgeschätzte Leserinnen und Leser, der Chronist (und Schiffsfotograf) bedankt sich für das Interesse an unseren Reiseberichten, es werden sicher (so Gott will) nicht unsere letzten sein. Danke auch an meine Freunde an Bord, die für einen harmonischen, humorvollen, abwechslungsreichen und gelungenen Ablauf unserer Seereise stets eine absolute Garantie sind. Auf ein Neues!

Mittwoch 10.07.19

Der Großteil der Mannschaft begibt sich zwischen acht und halb neun Uhr ausgeschlafen an Deck, lediglich unsere beiden Nachtabenteurer ruhen deutlich länger. Es ist geplant, ein Frühstück im dem Boot gegenüberliegenden Lokal “Fortuna“ einzunehmen, allerdings ist die Mannschaft zuerst von den sich drohend aus dem Norden nähernden blauschwarzen Wolken stark beeindruckt. Während noch über den Zeitpunkt des Frühstücks diskutiert wird, erleichtert die Natur die Entscheidungsfindung.

Zuerst noch tropfenweise, dann aber aus allen verfügbaren geöffneten Schleusen ergießt sich Wasser vom Himmel. Die Hafenpromenade steht dabei so unter Wasser, dass sich dieses Niagarafall-adäquat über die gesamte Länge der Hafenmole ins Hafenbecken ergießt; um jetzt das Frühstückslokal zu erreichen, müssten wir das Beiboot benutzen, wobei fraglich wäre, ob der Außenbordmotor gegen den Wasserfall eine Chance hätte. Die Mannschaft beobachtet fasziniert, wo es bei einem Katamaran überall hereinregnen kann.

Die größten Naturgewalten sind jedoch nach einer halben Stunde vorbei, es hat deutlich abgekühlt und regnet nur mehr leicht. Das Frühstück wird im überdachten Bereich des Lokales eingenommen, ist reichlich und schmeckt wie immer sehr gut. Nachdem auch der Skipper gegen elf Uhr zu uns stößt, wird über den weiteren Tagesablauf beraten. Unser Skipper ist dafür, diesen Tag zur Gänze in Primosten zu verbringen, da das Wetter weiterhin unberechenbar bleibe, andere Boote nicht auslaufen würden und deshalb ein Liegeplatz in einem anderen Hafen eher unsicher sei.

Die Mannschaft schließt sich dieser Beurteilung an, und so wird ein Ruhetag in  Primosten beschlossen. Durch die Wetteränderung ist auch wieder eine lange Beinkleidung sowie ein Fleecejäckchen gefragt, und die Besatzungsmitglieder verbringen die nächsten Stunden lesend und schlafend. Allerdings klart es am Nachmittag auf und die Sonne lacht wieder vom blauen Himmel. So erfüllt sich unser Skipper einen schon lange gehegten Herzenswunsch. Das Beiboot wird zu Wasser gelassen und unser Kapitän fährt damit wie ein Jugendlicher, der gerade stolz und glücklich seine erste Moped-Ausfahrt macht, hinüber in den Fischerhafen. Nach seiner Rückkehr nimmt er noch Harry mit dem Beiboot in ein ca. 70 Meter entferntes Lokal mit, und dieser schickt uns ein herzzerreißendes WhatsApp-Filmchen, das die wilde Fahrt (es wurde ein kleiner Umweg genommen) in Echtzeit zeigt.

Andere Besatzungsmitglieder gehen zur Kirche hinauf, sich eine Palatschinke oder Eis kaufen, baden oder bleiben einfach an Bord. Nachmittags kocht Thomas Spaghetti, verschiedene Arten von Pesto (auch selbstgemachtes von Gusti) werden dazu angeboten. Am Abend ist wieder (wie gestern) in der Konoba „Toni & Ivana“ für uns reserviert und das Abendessen ist nach Meinung aller Beteiligten ausgezeichnet. Im Rahmen des Abendessens zeigt sich unser Skipper wieder in Hochform und trägt der vor atemloser Spannung Fingernägel kauenden Mannschaft Begebenheiten aus seinem abenteuerlichen Leben vor. Lediglich die ständigen Google-Überprüfungen von in diesen Geschichten auch vorkommenden objektiven Fakten und Tatsachen durch Martin kommt dabei beim Skipper nicht so gut an.

Der weitere Abend wird am Schiff verbracht, wobei einige Besatzungsmitglieder im Selbstversuch feststellen, dass Gin Tonic ohne Tonic deutlich besser schmeckt als mit. Die Mannschaft geht zeitgerecht schlafen, der Skipper hält Nachtwache.

Dienstag, 09.07.19

An diesem Morgen kocht uns Harry ein auch optisch sehr ansprechendes Frühstück mit den Standardzutaten Ei, Speck und Zwiebel, welches die Mannschaft mit Genuss und (ohne Skipper) selbstverständlich vollständig vertilgt. Thomas fragt zwar noch in die Runde, ob wir den noch ruhenden Skipper zum Frühstück wecken sollten, erhält aber überwiegend die Antwort, dass ein gut ausgeschlafener Skipper wichtiger sei als ein satter.

Nachdem der Skipper nach verdienter Ruhe nach durchwachter Nacht erscheint und für unsere Frühstücksentscheidung vollstes Verständnis zeigt, wird um 11:00 Uhr abgelegt und die von uns eher selten besuchte malerische Ortschaft Primosten, wo wir ja einen Ehrenbürger dabei haben, angesteuert. Die ca. 15 Seemeilen sind bald absolviert, und um 13:45 Uhr laufen wir im Hafen von Primosten ein, wo unser genialer Kapitän den Katamaran auf Anhieb anstandslos in eine relativ enge Parklücke zwängt.

Das Wetter hat sich indessen verschlechtert, der einst blaue Himmel ist mit dichten, grauen Wolken verhangen und laut Wetterbericht von Gusti sollte es um exakt 14:00 Uhr regnen. Doch der Wettergott hält nichts von Pünktlichkeit und so beschließt die Mannschaft, nach Erfrischung und Reinigung in den eher einfachen Sanitäranlagen von Primosten zwei Neigungsgruppen zu bilden.

Die klassische Neigungsgruppe, der zuerst (selbstverständlich) Thomas sowie Martin und euer Chronist angehören, will sich auf die Terrasse des Hotels „Zora“ begeben, um dort (wie immer) ein Gläschen Malvasier zu konsumieren und über das Meer zu schauen. Die andere Neigungsgruppe hat ambitioniertere Pläne und will mehrere einschlägige Weinlokale und Bars besuchen. Gusti bekommt indessen schwere Bedenken und beschließt, sich aus Sicherheitsgründen doch der Neigungsgruppe „Zora“ anzuschließen.

Auf der Hotelterrasse ist es gemütlich wie immer, und der seit Jahren stets selbe Kellner bringt fast ungefragt den autochthonen Wein. Inzwischen erhalten wir von der anderen Gruppe lustige WhatsApp-Bildchen aus diversen Lokalen, welche die beiden Buben in fröhlicher, fast ausgelassener Stimmung zeigen.

Natürlich kehrt die „Zora“-Gruppe deutlich früher zum Boot zurück und sieht die beiden Stimmungsweltmeister auf der Suche nach Abenteuern am Kai promenieren. Allerdings ist die gesamte Crew wieder beisammen, als es ans abendliche Essenfassen geht. Dazu wurde die Konoba „Toni & Ivana“ ausgewählt und dort  telefonisch reserviert.

Wir bekommen trotz der jetzt sehr bedrohlichen Wetterlage einen Tisch im Freien, nur teilweise durch einen großen Sonnenschirm geschützt. Tatsächlich zieht ein recht ordentliches Gewitter auf und es beginnt zu regnen. Bevor jedoch unserem Martin, der den undankbarsten Sitzplatz gewählt hat, das Regenwasser bei den (kurzen) Hosenbeinen herauszulaufen droht, erbarmt sich die (sehr fesche und freundliche) Wirtin und weist uns einen Platz im geschützten, überdachten Bereich des Lokals zu. Das Essen wird von allen Crewmitgliedern gelobt, und es geht unter leichtem Regen zurück zum Schiff.

Dort erfolgt wie immer an solchen Abenden eine weitreichende und verständige  Diskussion der Weltlage und menschlich-individueller Beispiele derselben. Nach mehreren Stunden rhetorischer Abarbeitung von internationalen Problemen und deren Lösungsansätze begibt sich die Mannschaft fast geschlossen zur Nachtruhe unter Deck. Unseren beiden Abenteurer von nachmittags sind aber der Meinung, dass das nicht alles gewesen sein kann, begeben sich von Bord und werden von der Dunkelheit verschluckt. Nicht gesicherten Informationen zufolge soll die Unternehmung kurz vor Sonnenaufgang im legendären nahegelegenen „Legends Pub“ geendet haben.

Sonntag, 07.07.19

Gegen 8 Uhr morgens sind alle Besatzungsmitglieder und der Skipper wieder voll leistungsfähig und Martin kocht uns ein energiehaltiges Seefahrerfrühstück mit (nicht angebrannter) Eierspeise, Schinken und geröstetem Zwiebel. Nach genussvollen Verzehr des Essens (danke, Martin) macht sich die Neigungsgruppe „Landgang“ (Martin, Thomas und Harry) mit dem Beiboot, das immerhin einen 15 PS – Außenbordmotor aufweist, auf den Weg in die Ortschaft Skradin, wobei das Beiboot sichtlich ganz eindeutig über die Belastungsgrenze gebracht wird und die Zurückbleibenden der Fuhre sorgenvoll nachblicken. Schließlich verschwindet das sehr, sehr tiefliegende Beiboot (quasi ein U-Boot auf Periskoptiefe) in den Wellentälern in der Ferne, begleitet von Stoßgebeten der auf dem Boot verbliebenen Mannschaft. Jedenfalls kehren unsere Abenteurer nach ca. einer Stunde gesund und glücklich zurück, und um ca. 10:00 Uhr fahren wir nach einem perfekten Standard-Ablegemanöver nach Tribunj, wo wir noch nie gewesen sind und das ca. 16 Seemeilen entfernt ist.

Eine ruhige, ereignislose und entspannende Fahrt endet um 16:30 in der Marina von Tribunj, wo für einen Katamaran ziemlich beengte Platzverhältnisse herrschen, unser Skipper aber mit tatkräftiger und erfahrener Mithilfe der Mannschaft tadellos anlegt. Dieses Anlegemanöver wird von Andreas M. (Leserinnen/Leser dieser alljährlich wiederkehrenden Reporte wissen bereits, dass es sich um einen alten Bekannten unserer Crew handelt) von der Balkonterrasse seiner bescheidenen, in Hanglage mit perfekter Aussicht gelegenen, neu erbauten modernen Villa beobachtet und als halbwegs gelungen abgesegnet.

Nach einem kleinen Manöverschluck machen wir uns in den wahrlich mondänen Sanitärräumen der Marina (alles neu, sehr großzügig und klinisch sauber) frisch und besuchen danach Andreas und seine Frau  nach schweißtreibendem Anstieg in ihrem Anwesen, wo wir jeweils zu einer Dose Bier eingeladen werden. Eine Stunde lang genießen wir die phantastische Aussicht und hören abenteuerliche Geschichten, die sich im Zuge der Errichtung der Villa zugetragen haben sollen und angeblich noch immer nicht beendet sind. Diese Anekdoten hören sich an wie ein Konglomerat sämtlicher Shakespeare-Dramen vermengt mit den sieben Todsünden und handeln von Unvermögen, Dummheit, Überforderung, Missgunst, Käuflichkeit, Unfähigkeit, Hochmut, Trägheit, Neid, Zorn, Habgier und Rache.

Abends sitzen wir mit Familie M. auf deren Empfehlung in der Konoba „Luna“ direkt am Meer und beobachten, während wir unsere mehrheitlich als sehr gut befundeten Speisen konsumieren, in der Ferne ein gewaltiges Himmelsschauspiel mit einem schwarzen, fahlgelben bis feuerroten, durch ein Blitzfeuerwerk erleuchteten Himmelshorizont.

Der Aufbruch erfolgt rechtzeitig, denn wenige Minuten, nachdem wir an Bord gegangen sind, kommt Regen und Sturm auf und der wild herumschlingernde Katamaran muss auf Befehl des Skippers straffer vertäut werden. Dies geschieht ohne Mannschaftsverluste, und schon sehr bald ist das Unwetter vorbei und die gesamte Mannschaft sitzt noch bis in die frühen Morgenstunden (wie immer in absolut positiver Stimmung) diskutierend an Deck der „Bella V“.

Montag, 08.07.19

Vereinbarungsgemäß wird an diesem Morgen, da nur eine kurze Fahrstrecke zu bewältigen ist, etwas länger geruht. Danach geht es in das Restaurant des Hotels der Marina, wo die fünf Besatzungsmitglieder ein gutbürgerliches Frühstück einnehmen. Thomas, Gusti und der Chronist begeben sich gestärkt auf Einkaufstour in den nahegelegenen KONZUM, um zu Ende gegangene Grundnahrungsmittel nachzukaufen. Harry macht indessen eine Besichtigungstour durch die Ortschaft.

Um 12:20 Uhr legen wir in Tribunj ab und fahren die gemütlichen viereinhalb Seemeilen zur Insel Kaprije, wo wir um 13:50 Uhr in der Bucht Malo Nostra vor der Konoba „Nostra G 8“ anlegen. Das Ambiente wie auch das Lokal wirken sehr idyllisch; das Abendessen kann schon am Nachmittag in Ruhe ausgewählt werden. Trotz gefühlter Saunatemperaturen und Windstille machen sich Gusti und Martin auf den Weg in die Ortschaft Kaprije, wobei sie einen überschaubaren, mit Buschwerk bewachsenen Hügelrücken überwinden müssen.

Der Rest der Mannschaft geht auf Grund der Hitze im glasklaren Wasser der Bucht schwimmen, was eine willkommene Abkühlung bringt. Währenddessen werden wir auf beiden Seiten von mittelgroßen Motorbooten (unser kürzlich besuchter Bekannter Andreas M. nennt diese Boote liebevoll „Joghurtbecher“) mit österreichischen Besatzungen eingeparkt, auch unsere Landsleute wollen im Lokal zu Abend essen und erst am nächsten Tag wieder weiterfahren. Inzwischen werden vom Wirt des Lokales verheerende Wetterprognosen mit Gewitter und Sturm verbreitet und wir gebeten, bereits um halb acht und nicht erst um sieben Uhr zum Essen zu kommen.

Tatsächlich verzieht sich der Himmel, klart aber ohne Wetterkatastrophe wieder auf und wir sitzen beim Essen wieder in der Abendsonne. Die fischkonsumierenden Crewmitglieder sind mit dem Essen sehr zufrieden, die andern zwei Drittel mit ihren Steaks weniger. Nur ein beruhigender Rückhalt, den die Anwesenheit eines Zahnarztes in unseren Reihen gibt, lässt die Steakbesteller ihre Fleischstücke tapfer zerkauen. Unser Skipper macht uns nach dem Essen im Lokal kurz ernstliche Sorgen, als er relativ überraschend ohne Voranzeichen reglos vornüber zusammensackt. Die Crewmitglieder beraten ausführlich die möglichen Ursachen sowie die weitere Vorgangsweise und beschließen, genau zu beobachten und gespannt abzuwarten. Aber nach wenigen Minuten beendet Skipper Martin sein Powernapping und verlässt mit der Crew das Lokal.

Schon beim abendlichen Zusammensitzen zeigen sich erste Blitze und Regentropfen, worauf der Skipper die Mannschaft mit dem guten Rat, alle Luken dichtzumachen, unter Deck schickt. Nach und nach verzieht sich die Crew in die Kojen, und in der Nacht geht wirklich starker Regen nieder, der laut Aussagen des Nachtwache haltenden Skippers zusätzlich mit zumindest zwei Gewittern vergesellschaftet war.

Samstag, 06.07.2019

„Kleinpertholz 2019“- wie auch im letzten Jahr machen sich wiederum sechs Original – Kleinpertholzer aus Gmünd (Harry und Skipper Martin), Heidenreichstein (Martin und Thomas, der Organisator und Primosten-Ehrenbürger) und Waidhofen an der Thaya (Gusti und Franz, euer Chronist) auf den entbehrungsreichen Weg, ein Stück der wildromantischen kroatischen Küstenlandschaft hinauf- und hinabzufahren. Die Anfahrt beginnt bereits am Freitag um 22.00 Uhr; nach einer problemlosen Fahrt kommen wir um 07:45 Uhr in der Marina Kornati der Ortschaft Biograd na moru an.

Bereits um acht Uhr erfolgt die Anmeldung im Büro der Jachtcharter-Firma, wo uns die Übernahme des Katamarans in 2 Stunden zugesagt wird. Ein Blick auf das Boot zeigt allerdings, dass sich die Vornutzer noch völlig entspannt am Boot befinden und uns schwant bereits, dass die Zeitzusage vielleicht mit etwas Vorsicht zu genießen ist.

Nein, geneigte Leserinnen und Leser dieser Zeilen, entgegen letztjähriger Entwicklungen ist der diesjährige Katamaran nicht wiederum ein Stückchen größer als der vom vorigen Jahr, sondern geringfügig kleiner und weniger luxuriös. Es handelt sich um eine Fountaine Pajot Astrea 42 namens BELLA V (V als römisch 5), allerdings um ein diesjähriges neues Boot ohne die geringsten Abnutzungserscheinungen. Dass im Gegensatz zum Vorjahr nur vier statt sechs Nasszellen und keine Klimaanlage, sondern nur schnöde Ventilatoren vorhanden sind, nehmen wir zur Kenntnis (immerhin gibt es einen Flachbildfernseher in der Lounge), man will sich ja nicht dem Vorwurf der Dekadenz aussetzen.

Jedenfalls entwickelt es so wie befürchtet, auf ca. stündliche bis 2-stündliche Anfragen im Charterbüro wird uns immer wieder mitgeteilt, dass es in einer Stunde soweit sei. Ein Kontrollgang zum Katamaran lässt sogar noch weit Schlimmeres befürchten, da einige anscheinend elektronische Eingeweideteile des Bootes auf diesem herumliegen und ein technischer Mitarbeiter wiederholt um ein neues Werkzeug eilt.

Jedenfalls wird die Mannschaft dazu genötigt, die Wartezeit zwischen den Anfragen beim Charterbüro mit Lokalbesuchen auszufüllen, da es brutal heiß ist und ein schattiges Plätzchen mit kühlen Getränken der einzig denkbare Ausweg bleibt. Am angenehmsten bei den insgesamt vier Lokalaufenthalten ist es noch in der Konoba Aquarium, da hier ein naher Rasensprenkler die Umgebungsluft etwas abkühlt.

Um 15:15 Uhr (die sehr genauen Zeitdaten bezieht der Chronist aus dem Logbuch des Schiffes, welches der Skipper sehr gewissenhaft führt) legen wir nach dem Übernahmecheck in Biograd ab und fahren in Richtung Skradin, was eine längere Fahrt bedeutet, allerdings haben wir für den Steg der einsam an der bewaldeten Küste vor Skradin gelegenen Konoba Vidrovaca telefonisch einen Liegeplatz gebucht und sind somit nicht im Zeitdruck.

Die Fahrt zu Konoba Vidrovaca gestaltet sich sehr abwechslungsreich, und bevor wir an Sibenik vorbeikommen, begegnet uns das Kreuzfahrtschiff “Viking Star“, ein beeindruckendes Erlebnis, einen solchen Riesen ganz nah vorbeifahren zu sehen.  Auf beiden Seiten im unteren Mündungsbereich der Krka befinden sich in vielen Bereichen Muschel- bzw. Austernfarmen, wo diese Delikatessen gezüchtet werden.

Um 19:45 Uhr legen wir mit einem tadellosen Manöver bei der Konoba Vidrovaca an und begeben uns wenig später in die idyllisch gelegene Gaststätte wo unterschiedlichstes, aber in allen Fällen feinstes Essen aufgetischt wird. Unser Skipper ist in persönlicher Hochform und erzählt Schwänke aus seinem ereignisreichen Leben, deren Inhalt der Mannschaft allerdings schon großteils bekannt sind. So spannt uns der Skipper mit einer vieldeutigen Ankündigung einer noch unbekannten, hochinteressanten Geschichte auf die Folter, lässt sich aber trotz gutem Zureden nicht zur Preisgabe dieser Begebenheit überreden. Aber es sind ja noch einige Tage dazu Zeit.

Am Schiff sind alle müde und gehen relativ zeitig in die Kojen, lediglich der Skipper und euer Chronist führen noch etwas längere Gespräche, um sich dann allerdings auch unter Deck zu begeben.