Donnerstag, 16. Juli 2020

Der CEO von Angelina Charter reagiert prompt, um 9 Uhr sind zwei Servicemänner da, die den Mangel beseitigen. Um welchen es sich handelt, werden wir auch hier der geneigten Leserin nicht verraten.

Weil es so sein muss, statten wir dem Heiligen Georg einen Besuch ab, den wir mit einem Rundgang um Primosten abschließen Der Skipper kann endlich seine ersehnte Steinuhr kaufen, Thomas den Travaricavorrat auffüllen, zu Mittag sind wir reisebereit und legen ab.

Um drei legen wir in der Marina Frapa an, das Abendessen bei Antonijo ist schon bestellt. Der Chronist begibt sich vorerst alleine zum Pool, der Purser folgt bald darauf. Der Rest der Crew zieht es vor, am Schiff zu bleiben und einen lazy afternoon einzulegen. Da alle drei bei unserer Rückkehr um kurz nach 6 problemlos ansprechbar sind, muss der afternoon wirklich lazy gewesen sein.

Wir beschließen, schon ein paar Dinge zum Auto mitzunehmen und machen Pläne für den nächsten Tag. In den folgenden sieben Minuten ändert der Skipper achtmal seine Meinung, daher verschieben wir das Unterfangen auf den nächsten Tag, weil dann sowieso alles wieder anders sein wird. Antonijo wartet.

Mittwoch, 15. Juli 2020

Der heutige Tag ist Gusti gewidmet. Gleich nach dem Ausläufen setzt er die Segel, erst in einer Bucht bei Grebastica kommen sie wieder runter. Zum Baden ist es ein bisschen kühl, unser Segelbär nutzt aber auch diese Gelegenheit.

Nach einem langen und sehr entspannenden Stopp sowie Spaghetti von Thomas machen wir uns auf die Rückreise, diesmal mit Motorkraft. Am späten Nachmittag sind wir wieder in Primosten (wir haben den Hafen Platz am Vortag reserviert) und können uns beim Manöverschluck im Fortuna gut auf den Abend vorbereiten.

Dienstag, 14. Juli 2020

Nach einem sehr entspannten Frühstück besuchen wir das Museum Faust Vrancic. Der Guteste ist das kroatische Gegenstück zu Leonardo da Vinci, und er war – wenn man dem Museum glauben darf – auch ein echtes Universalgenie. Die Dame am Eingang ist ebenfalls ein sehr attraktives Subjekt (Objekt traue ich mir wirklich nicht zu schreiben), da wir aber auf Äußerlichkeiten null Wert legen, lassen wir uns von ihrem ausgezeichneten Englisch beeindrucken. Wahrlich eine gelungene Kombination.

Wir legen um ca. 11:00 Uhr ab, vor uns liegt eine sehr besinnliche Reise: Wir wollen unseren Freund vom Törn 2015 besuchen, das von uns so liebgewonnene Skelett. Herzlose Menschen bezeichnen es noch immer als Schwein, wir aber sind tief ergriffen, als wir uns dem Gedenkstein nähern. Das erste Ankermanöver muss allerdings abgebrochen werden, weil der Ankermotor nicht funktioniert. Unsere Unzufriedenheit mit dem Boot steigt (Einzelheiten erspare ich der geneigten Leserin). Gusti, unser Cheftechniker (er weiß Dinge, von denen der Chronist nicht einmal gewusst hat, dass er sie nicht weiß), hat die geniale Idee, die Betriebsanleitung zu lesen. Und ebenso genial ist die Umsetzung des Hinweises, dass der Ankermotor erst ab einer Maschinendrehzahl von 1500 funktioniert. Mit großer Umsicht ersucht Gusti den Skipper, den Bootsmotor einzuschalten und Standgas zu geben. Die Ankerkette schnurrt wie ein Kätzchen und wir können unseres Freundes still gedenken. Nach einem Fast-Badestopp (fast wegen der gefühlten Wassertemperatur von 18 Grad) machen wir uns auf die Weiterfahrt. Das Ziel ist – zur Überraschung aller an Bord und sicher auch aller Leser*innen – Primosten. Der ganze Ort begrüßt Thomas und den Skipper enthusiastisch, wir sind angekommen. Ein Novum ist, dass uns der Kellner des Fortuna, vor dem wir aufgrund der privilegierten Position von Tom, the Dentist, liegen, den Manöverschluck an Bord bringt.

Jetzt hat Franz eine geniale Idee: Wir könnten doch ins Hotel Zora gehen, um dort Malvasija zu trinken. Wir lassen uns überreden und verbringen eine gemütliche Stunde auf der Terrasse. Nach einem ausgedehnten Rundgang durch Primosten kehren wir auf das Schiff zurück und bereiten uns gedanklich auf das Abendessen in der Konoba Toni vor. Da taucht wie aus dem Nichts ein neuerliches Problem auf: Gusti steht unter der Dusche, alleine, es kommt kein  Wasser. Diesmal hat der Skipper eine geniale Idee (schon die dritte des Tages): Wir füllen den Tank auf! Der Schlauch ist in den Tiefen des Schiffes bald gefunden, der Wasseranschluss an Land ebenso. Gusti darf mit uns mitgehen.

Montag, 13. Juli 2020

Ausgangspunkt ist die an sich harmlose Frage, wie alt sie denn sein möge. Nun stellt sich allerdings heraus, dass lediglich Gustav und der Chronist sich profunde an dieser Diskussion beteiligen können, weil sie die einzigen sind, die der jungen Dame ins Gesicht geschaut haben. Da bei der Altersfrage andere Details nicht zur Sprache kommen sollen, hier die Antwort: ca. 23 bis 25 Jahre.

Der Skipper hält anschließend ein äußerst lehrreiches Proseminar zum Thema „aktives und passives Zuhören“ (mit Übungsphase), sodass wir um 11:00 Uhr reich beschenkt und gut gebildet ablegen können. Ziel des heutigen Tages ist – die aufmerksame Leserin wird es schon erraten haben – Prvic. Wir erreichen es am frühen Nachmittag und ergattern den letzten Platz im Hafen. Was den Tag aber so bemerkenswert macht, ist die ungewöhnliche Art unserer Reise: Wir segeln! Gustis Augen leuchten, er hat sein Glück gefunden. Wir suchen unseres jetzt im Nachtleben der Ortschaft, von dem wir uns angesichts von drei Lokalen Unglaubliches erwarten.

Das Unglaubliche geschieht: Das letzte Lokal schließt um 23:00 Uhr! Weil wir so sympathisch sind, bekommen wir vorher noch ceteri Gin Tonic. An Bord wird die außergewöhnliche Situation noch ausführlich besprochen, dann kehrt Nachtruhe ein.

Sonntag 12. Juli 2020

Franz verleitet den Chronisten zu einem kurzen Morgenspaziergang, der in eine förmliche Bergtour mit dem Schwierigkeitsgrad 8+ ausartet. Nach stundenlangen Mühen sind wir auf der Höhe der Autobahnstation, von der wir 24 Stunden vorher auf die Anlegestelle des Wirts geblickt haben. Gottseidank dauert der Rückmarsch nur eine Viertelstunde, sodass wir um 11:20 ablegen können.

Bei der Fahrt nach Zirje mach wir eine kleine Hafenrundfahrt in Prvic, um uns gut für den Montag vorbereiten zu können. Um ca. 15 Uhr legen wir vor der Konoba Konomasna an, wir sind das einzige Schiff in Zirje und bleiben das auch. Nach einer angemessenen Ruhephase kredenzen die Wirtsleute eine Fischplatte, die alle Stückerln spielt. Das Verhältnis Servicepersonal zu Gästen ist 1:1, geschlechtsmäßig allerdings schlecht verteilt. Dementsprechend entwickelt sich um die Kellnerin nach dem Frühstück am nächsten Tage eine interessante Diskussion.

Samstag 11. Juli 2020

Nach einer problemlosen Anfahrt mit einer Stunde Wartezeit an der kroatischen Grenze sind wir kurz nach 8 in Primosten (Hatscheks zur Kennzeichnung der kroatischen Aussprache kommen in diesem Text nicht vor, da auf der Bluetooth-Tastatur nicht vorhanden) an und frühstücken im Fortuna. Um ca. halb elf kommen wir bei der Martina Frapa in Rogoznica an.

Der erste Menssch, dem wir dort begegnen, ist der Notar von Litschau, Gerald Wagner. Er ist Crewmitglieder im Törn von Franz Friedreich, insgesamt 11 Mann haben gleich für den ersten Tag einen Nachtschlag geplant (man beachte das Wortspiel).

Da wir geplant haben, den ersten Tag und den darauffolgenden Sonntagvormittag in der Marina am Pool und vor allem an der Poolbar zu verbringen, legen wir folgerichtig um ca 14:30 Uhr ab, weil ja bei einem Törn nichts so sein darf, wie es geplant ist. Sehr zum Ärger unserer Stegnachbarn übrigens, weil sie viel Geld für den early Check-in bezahlt haben und erst lange nach uns auslaufen können.

Unsere erste Station ist der Brückenwirt in Skradin, wo wir mit einem großartigen Abendessen verwöhnt werden.

Freitag 10. Juli 2020

Die 13. Auflage der mittlerweile in Seglerkreisen berühmten Veranstaltung beginnt ganz unspektakulär mit der pünktlichen Abreise. Corona bedingte berufliche Gründe haben leider zwei Crewmitglieder an der Teilnahme gehindert, wir sind also nur zu fünft. Und zwar:

Der Skipper – Martin F. Wurz

Der Purser und Cheforganisator – Thomas Adensam

Der Segler und Navigator – Gustav Beer

Der ruhende Pol – Franz Appel

Der Chronist – ich

Wie ersichtlich ist die Crew männlich, daher wird in diesem Logbuch auf das Gendern verzichtet, weibliche Bezeichnungen werden ausschließlich für weibliche Menschinnen verwendet. Von ihnen wird gleich am zweiten Morgen die Rede sein.