Bericht vom letzten Tag

Um 7 Uhr kommt die Crew der Chartergesellschaft an Bord, um die Segel zu überprüfen. Tatsächlich stellt sich heraus, dass hier einige falsche Leinen und Knoten vorliegen, das Schiff war nicht segeltauglich. Preisminderung gibt’s deswegen nicht, die gebrochene Winsch müssen wir dennoch ersetzen. Was unsere Verantwortlichkeit betrifft, ist mit dem Schiff alles in Ordnung, Skipper und erster Offizier werden ausdrücklich gelobt. Kurz vor neun bringen wir einen frisch geduschten, fesch gekämmten und adrett herausgeputzten Skipper in die Marina Betina auf Murter, wo er sich mit seiner Familie trifft.
Danke Martin – du warst ein fantastischer Skipper!
Die Heimfahrt gestaltet sich problemlos, um dreiviertel sechs können wir unserer beiden Waidhofner abliefern, kurz vor halb sieben sind wir zuhause. Kleinpertholz in der Welle 2014 ist Geschichte.
Danke an Thomas für die perfekte Organisation vor und während der Reise – da könntest du ein Geschäftsmodell draus machen. Eine Eiswürfelmaschine auf einem Boot, mehr braucht man dazu nicht zu sagen.
Danke dem Skelett, es hat unseren Törn bereichert. Und ein ganz spezielles Dankeschön an unsere geneigten Leserinnen und Leser. Bleibt uns gewogen.
Bordlogbuch geschlossen am 12. Juli 2014 um 19:00 Uhr, euer Chronist.

Bericht vom Freitag

Der gestrige Abend hat außer einem ungefähr eineinhalbstündigen Wolkenbruch noch eine weitere Überraschung gebracht. Doch auch heute wieder der Reihe nach.

Nach dem Malvasier auf der Terrasse des Hotels Zora kehren wir bald wieder aufs Schiff zurück. Erstens, weil es nach Regen ausschaut, zweitens, weil die Aussicht auf Spaghetti lockt. Der Chronist begibt sich auf einen kleinen Spaziergang durch das Städtchen, noch hat er die Hoffnung auf einen neuen Siebener für die Haustür nicht aufgegeben. Sie bleibt unerfüllt. Gerade als er daher die Rückkehr aufs Schiff beschließt, öffnet sehr plötzlich der Himmel seine Schleusen. Es schüttet nicht, es fließt. Gemeinsam mit anderen sucht und findet er Zuflucht unter dem Schirm der Pizzeria Fortuna, das Schiff in Sichtweite. Nach einer Viertelstunde kommt per SMS das Angebot, einen Stoßtrupp mit Ölzeug wegzuschicken. Das Angebot wird gerne angenommen, Gusti wird zum Helden, der Chronist von einigen Damen unter dem gleichen Schirm um ihn beneidet. Vor allem aber um das Ölzeug. Standhaft lehnt er auch alle Verhandlungsangebote der Damen, um an das Ölzeug zu kommen (darunter so eindeutige wie „How much“), ab.

Auf der Bevanda stellt sich heraus, dass der Skipper ebenfalls im entfesselten Treiben der Natur verschollen ist, wir hoffen allerdings, dass ihn Hafenkapitän Marco gerettet hat. Doch nach einer halben Stunde (und ausgezeichneten Spaghetti – einmal mehr ein Kompliment an unseren Versorgungsoffizier Thomas) kommt ein Hilferuf per SMS. Rettungstrupp mit Ölzeug bitte in die Camel-Bar. Das ergibt für den Chronisten auch einmal die Möglichkeit, den Helden zu spielen. Unerschrocken schnappt er sich das Ölzeug und begibt sich hinaus in die Fluten. Nach einer unendlich lange erscheinenden Minute hat er Camel und Skipper erreicht, freudig bewegt spendiert der Skipper einen Gin Tonic. Als die beiden die Heimreise antreten, hat es längst zu regnen aufgehört.

An Bord beschließt die besorgte und nun erleichterte Crew, die doppelte Rettung im The Legends Pub zu feiern, lediglich der ob der Entbehrungen erschöpfte Skipper bleibt da, er will sich zuerst mit Chilli-Spaghetti stärken. Thomas leistet ihm Gesellschaft.

Im Legends Pub ist wenig los, lediglich der kroatische Trinkernachwuchs ist in vereinzelten Exemplaren vorhanden. Doch dann der Knalleffekt: Kurz nach Mitternacht tritt (für uns unangekündigt) eine Gogo-Tänzerin auf die Bühne und zeigt ihre Version von Bauch-Bein-Po. Die unterscheidet sich offensichtlich doch deutlich von der Volkshochschulversion, Gusti trinkt daraufhin sofort aus und verleiht seiner moralischen Entrüstung Ausdruck, indem er das Lokal verlässt. Franz, Martin und der Chronist haben durch die langen philosophischen Diskurse der letzten Tage gelernt, dass man sich keine vorschnellen Urteile bilden soll, da die Dinge öfters anders scheinen, als sie sind. Wir beschließen daher, alle Seiten des Problems abzuwägen und aus den verschiedenen philosophischen Blickwinkeln zu betrachten. Nach einer weiteren halben Stunde teilen wir Gustis Meinung und seine Entrüstung, auch wir verlassen das Pub. Franz zeigt zuvor noch einen bedenkenswerten Aspekt auf, nämlich, dass wir ja die Version der zweiten anwesenden Dame noch gar nicht gesehen haben, was eine abschließende und wirklich gültige Beurteilung erst ermöglichen würde. Dieses Argument erscheint uns allerdings als nicht ausreichend.

An Bord lobt uns der Skipper für unsere weise Entscheidung. Im Cockpit ist es mittlerweile sehr kühl und außerdem ist noch alles feucht, im Salon ist es eben nicht so gemütlich wie draußen, wir gehen schlafen.

Am heutigen Morgen, dem letzten unseres Törns, kommen alle schon relativ zeitig aus ihren Kajüten, das jüngste Crewmitglied spricht sogar despektierlich von seniler Bettflucht. Um 9 sind wir alle im Cockpit versammelt, es folgt der wegen des Regens verschobene Spaziergang zur Kirche am Berg und dem sie umgebenden Friedhof, der für mache der schönste der Adria ist. Hier würden wir gerne unser Skelett zurücklassen, dieses Ansinnen wird uns aber verweigert. Wir beschließen daher, ihm einen besonderen Platz zuzuweisen, noch aber ist es nicht so weit.

Kurz nach elf legen wir ab, natürlich darf Thomas die Bevanda aus dem Hafen heraus und in allen nur denkbaren Varianten vor dem Hotel Zora steuern, unsere beiden Fotografen halten diese Momente aus allen Blickwinkeln fest. Wer diese Fotos betrachtet, weiß, wie reines, unschuldiges Glück ausschaut. Eine Stunde später machen wir den für den letzten Tag fix eingeplanten Badestopp.

Das Schnorcheln ist wenig ergiebig, erinnert uns aber an die traurige Pflicht, die wir nun endgültig zu erfüllen haben: Wir müssen einen Platz für unser Skelett finden. Schon den ganzen Tag haben wir seine Traurigkeit bemerkt, das hat auch unsere Sentimentalität angesichts des bevorstehenden Endes des Törns verstärkt. Doch dann haben wir die zündende Idee, die uns allen den Abschied etwas leichter macht. Wir schlagen unserem Begleiter vor, ein sonniges Platzerl nahe dem Ufer einer FKK-Badebucht zu finden. Dort wird er mehr Abwechslung als in den vergangenen Jahren haben. In einer feierlichen Zeremonie betten wir das Skelett auf den Meeresgrund, ein letzter wehmütiger Schnorchelblick, und dann adieu. Wir haben ihm noch versprochen, ihn bei einem unserer nächsten Törns wieder zu besuchen und vielleicht wieder ein Stückchen mitzunehmen. Wer das in der Zwischenzeit schon tun will – hier die Koordinaten unseres Freundes: 43°40.868 N 15°51.987 O. Im Fall des Falles richtet ihm bitte unsere herzlichsten Grüße und die von seiner Bekannten Jade aus Boston aus.

Nach einem völlig entspannten Tankstopp laufen wir um 17:00 Uhr in der Marina Jezera ein. Nun gilt es, das Schiff zu räumen und zu übergeben. Für den Abend haben wir noch keine genaueren Pläne.

Skipper Martin erinnert sich dann an ein Restaurant, das er uns gerne empfiehlt. Zu erkennen ist es an der zwei Meter großen Holzfigur eines Kapitäns vor dem Eingang. Wir machen uns also um 8 Uhr auf die Suche und werden auch wirklich bald fündig. Darauf sind wir sehr stolz, da die Figur im vergangenen Jahr auf ca. ein Viertel ihrer ursprünglichen Größe geschrumpft ist. Die Empfehlung für die Konoba Dalmatina erweist sich aber als absolut berechtigt. Wir essen sehr gut und preiswert. Der Abend gestaltet sich äußerst stimmungsvoll, da nebenan das Dorffest (herzliche Einladung zu unserem am 15. August!) stattfindet, die lokale Klapa (quasi der Geyer-Chor von Jezera) singt stimmungsvolle Weisen, eben Klapa-Musik, Lieder, in denen es um die Liebe, den Wein und das Meer geht. Schön.
Zurück am Schiff werden dann die letzten, wirklich allerletzten Probleme der Menschheit gelöst, Skipper Martin bekommt ausreichend Gelegenheit, aus seinem üppigen Vorrat an Seemannsgarn zu schöpfen, Franz hat noch ein besonders originelles Gin-Tonic-Rezept im Talon (das Tonic ist aus) und der Chronist drängt Gusti zu einem Vergleich der beiden mitreisenden Schilcher. Nur der Navigator hat sich schon niedergelegt, er wird am nächsten Morgen als Chauffeur der ersten paar Stunden agieren.

Bericht vom Donnerstag

Der heutige Tag wird als einer der bemerkenswertesten in die Kleinpertholzer Seglergeschichte eingehen, er bringt nämlich ein Ereignis, das ähnlich singulär in dieser Geschichte ist wie der Sieg der Deutschen über Brasilien in der Fußballgeschichte. Doch schön der Reihe nach:

Wie oben erwähnt, gefällt es dem Skelett in der Palmiẑana sehr gut. Es freut sich schon auf die weitere Reise. Dann muss es leider mitanhören, wie Thomas hartherzig den Vorschlag macht, es vor Primošten auszusetzen. Es reagiert aber sehr seemännisch, nämlich nicht panisch oder angerührt, sondern indem es versucht, seine Vorzüge ins rechte Licht zu rücken. Es macht den vorbeipromenierenden Collegeboys und vor allem –girls schöne Wirbel und findet tatsächlich immer wieder Beachtung. Ein guy bleibt stehen und beginnt mit uns eine Konversation über unseren Freund. Dann zeigt er ihn seiner Begleiterin, das Unglaubliche geschieht: Sie fragt, ob sie zu uns aufs Schiff kommen darf, damit ihr boy ein Foto vom Skelett im Vordergrund und uns mit ihr im Hintergrund machen kann. Es kommt daher zum ersten Mal in vielen Jahren „Kleinpertholz in der Welle“ zum ultimativen Segelmanöver. Woman on Board.

Natürlich ist keine Rede mehr davon, das Skelett auszusetzen. Wir warten das Ende des Gewitters ab und erreichen nach unspektakulärer Fahrt bei sehr rauem Seegang um 17 Uhr Primošten. Das Skelett strahlt mit Thomas um die Wette, es, weil es noch bei uns sein, er, weil er wieder in Primošten sein darf. Es folgen und werden die üblichen rituellen Handlungen folgen: Malvasier auf der Terrasse des Hotel Zora, Spaziergang zum Friedhof auf dem Berg, Spaghetti an Bord, Mojito im Camel, Besuch im Legends Pub, … you name it, we’ll do it. Der Ruf zum Ausgehen ertönt, der Dresscode lautet Ausgehuniform, der Chronist verabschiedet sich für heute.