Donnerstag, 18. Juni 2015

RouteDonnerstag

Mittwoch, 17. Juni 2015

Über Nacht hat sich das Wetter völlig verändert, es ist Sturm aufgekommen und es hat geregnet. Der Himmel ist grau und wolkenverhangen, die Außentemperatur unserer Meinung nach für die Jahreszeit viel zu kalt. Unser Skipper hat in der Nacht in aufopfernder Weise alle Luken geschlossen, ohne dass es die meisten von uns bemerkt haben, und alle zum Trocknen aufhängten Handtücher ins Innere des Schiffes gerettet. Er erzählt, dass er auf Grund diverser weiterer Rettungsmaßnahmen erst um vier Uhr morgens ins Bett gekommen ist; die Crew verehrt ihn nicht nur allein deswegen.

Wegen des starken, böigen Windes und der Kälte beschließen Skipper und Mannschaft, nicht auszulaufen und den Mittwoch in Primosten zu verbringen. Nach Gustis gehaltvollem Frühstück (ja, er macht es wirklich jeden Morgen!) sind kühle chill-out-Stunden auch nicht schlecht und die Mannschaft verbringt einige Stunden mit Lesen und guten Gesprächen. Am Nachmittag, nachdem sich die Wetterlage deutlich gebessert hat und die Sonne wieder vom Himmel lacht, bildet sich die Neigungsgruppe „Primosten-Besichtigung“, wo alle Crewmitglieder teilnehmen. Die Route führt zuerst ansteigend zur Kirche, die auf dem höchsten Punkt der Primosten-Halbinsel liegt, wobei diese Kirche mit einem pittoresken Friedhof umgeben ist, der den vielleicht besten Friedhofs-Ausblick überhaupt bietet. Danach besichtigen wir den einzigen Kreisverkehr von Primosten (auch nicht schlecht, mit Springbrunnen in der Mitte), um schließlich ziemlich einstimmig wieder auf der Terrasse des Hotels ZORA zu landen, wo wir dieses Mal den lokalen Rotwein zu uns nehmen. Thomas wird von der Belegschaft des Hotels wieder umarmt, geherzt und geküsst.

Am späteren Nachmittag legt am letzten freien Liegeplatz neben uns ein großer Katamaran an, dem fünf Herren in unserem Alter entsteigen und die sofort die nächste Bar aufsuchen. Das Aussehen, Auftreten und die Sprache der Herren verleitet uns zu kühnsten Vermutungen (russische Mafia etc.). Nachdem kurz nach dem Anlegen allerdings fünf um mindestens 20-30 Jahre jüngere, bildschöne Frauen das Schiff in Richtung Sanitäranlagen verlassen, sind wir uns einig, dass unsere Vermutung absolut richtig war und dass wir uns besser unauffällig verhalten sollten (Thomas erzählt uns aus seinem Erfahrungsschatz über höchst erschreckende Praktiken der russischen Mafia, insbesondere Geschlechtsorgane und Hals betreffend).

Das Abendessen nehmen wir in der Konoba (=Wirtshaus) „BRACERA“ ein, das  Essen ist sehr gut und auch ausreichend. Nach dem Abendessen gehen wir noch eine kleine Runde und kehren bei einer alten Bekannten des Skippers ein, die ein kleines Weinlokal betreibt. Wir trinken ein Gläschen des lokalen Rotweines, während eine Gruppe deutscher Bundesbürger, alkoholmäßig absolut überversorgt und des Redens nicht mehr mächtig, ein ins Ohr gehendes Liedlein zum Besten gibt, das vom Zurückschieben eines gestrandeten Wales ins Meer handelt („Schieb den Wal zurück ins Meer“; Herbert und der Chronist überlegen, vorzuschlagen, dieses Lied auch ins Repertoire des Franz-Geyer-Chores aufzunehmen, verwerfen diese Idee allerdings wieder).

Der Abend dieses ruhigen Tages hat es noch in sich:  Während Skipper und Crew auf dem Achterdeck der LYDIA I zusammensitzen, erscheint eine Gruppe schwer alkoholisierter verhaltensauffälliger Slowaken, von denen sich zwei Idioten ausziehen und ins Wasser des Hafenbereiches gehen. Sie sind nach wenigen Sekunden im schwarzen Wasser zwischen bzw. unter den hier liegenden Schiffen verschwunden und der Rest der Gruppe macht sich nun berechtigte Sorgen. Ihr Anführer kommt auf unser Schiff und bittet um Hilfe, nachdem er bei unserer Nachbarn (die sich auch als Slowaken, nicht als Russen herausstellen) lässig abgeblitzt ist. Im Rahmen der aufregenden Rettungsaktion will Thomas das Schiff verlassen, um an der Kaimauer zu helfen, gleitet aber auf unserer Gangway aus und fällt an Land, ein Knie berührt jedoch noch schmerzhaft die Kante der Kaimauer. Die beiden schwer alkoholisierten slowakischen Idioten werden aus dem Wasser gezogen, ihre Landsleute auf dem Schiff neben uns haben ihren Spaß dabei und Thomas wird von uns fürsorglich versorgt. Er hat sich bei der Rettungsaktion gottseidank nur eine kleine Abschürfung mit leichter Schwellung zugezogen, alles andere ist offensichtlich heil geblieben. Wir sitzen danach noch kurz auf dem Achterdeck zusammen, um dann unsere Kojen zu entern.

Dienstag, 16. Juni 2015

RouteDienstag

Um ca. 10 Uhr fahren wir aus Palmizana aus, nachdem wir uns wie jeden Morgen mit Gustis kräftigem Frühstück gestärkt haben. Das Wetter und die Laune sind gut, und wir haben vor, nach Primosten zu fahren. Es ist auch genug Zeit, unter Segeln zu fahren, was von Gusti und Martin auch ausgiebig genutzt wird. Diesmal wird allerdings, hart am Wind segelnd, eine Rekordgeschwindigkeit von 9 Knoten erzielt.

Gegen 17:30 Uhr wird Thomas immer unruhiger und schaut konzentriert in Richtung Küstenlinie, als in der Ferne die unverwechselbare Silhouette von Primosten auftaucht und bei Thomas die Konzentration in unverhohlene Freude umschlägt. Wir legen an einem bereits vom Skipper beim Hafenmeister Marco aus Primosten reservierten, wunderschönen Liegeplatz an, wobei das Anlegemanöver nicht auf Anhieb klappen will. Wir kommen interessanterweise wie in Stomorska wiederum neben einem deutschen Motorboot zu liegen, wobei im Zuge des Anlegemanövers der Chronist von einer geschätzt etwa 87—jährigen deutschen Motorbootfahrerin beleidigt wird, da sie ihm vorwirft, einen Gummifender zwischen den Schiffen nicht mit einem „korrekten“ Knoten befestigt zu haben. Der Knoten hält jedenfalls.

Danach wird, wie immer in Primosten, von der Crew unter Führung von Thomas das berühmte Hotel ZORA besucht, wo dieser von Kellnern und Rezeptionisten wie ein alter, nur kurz abwesender Freund begrüßt wird. Nach einem Gläschen Malvasier  bewegen wir uns auf das Schiff zurück, um frischgemacht 20 Meter weiter in der Pizzeria FORTUNA Pizza essen zu gehen. Jeder bestellt, aber kein einziger eine Pizza.

An diesem Abend haben wir am Schiff gratis Musikuntermalung, da im offenen Lokalbereich direkt neben unserem Katamaran zwei sehr begabte junge Damen in absoluter Bestform bekannte Pop-Welthits spielen und ihre Musik ganz hervorragend stimmlich begleiten. Wir genießen dieses kleine Konzertereignis am Achterdeck unseres Schiffes bei einigen Getränken, lediglich der Skipper macht noch einen ausgiebigen Rundgang durch Primosten, um alte Geschäftskontakte zu pflegen und eventuell neue herzustellen. Als die Musikdarbietung um 00:15 Uhr beendet wird, gehen kurze Zeit später auch die meisten Crewmitglieder unter Deck.

Montag, 15. Juni 2015

RouteMontag

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Es gibt für einen engagierten Chronisten nichts Schlimmeres, als wenn sich in seinem Berichtsbereich für die interessierten Leser seiner Zeilen nichts Nennenswertes ereignet. Der 15. Juni 2015 ist durchaus so ein Tag. Wiederum herrscht schon frühmorgens reger Betrieb an Bord der Lydia I, und Gusti bereitet uns wie jeden Tag unser Kraftfrühstück aus Schinken und Eiern. Trotzdem oder vielleicht gerade deswegen fahren wir relativ spät aus Vrboska aus, wobei über der Landmasse eine dichte Wolkenwand aufzieht, die das Dörfchen ganz offensichtlich unter Regen setzt, nachdem wir bereits die offene See erreicht haben.

Das Wetter gestaltet sich wechselhaft, und bald hat uns die Wolkenwand eingeholt und verdunkelt den Himmel; auch einige Regentropfen sind zu spüren. Aber wir lassen und dadurch nicht entmutigen, die Buben setzen wieder Segel und haben ihren Spaß. An diesem Tag gestaltet sich die Seglerei allerdings deutlich ruhiger, und nachdem der Chronist ein Stündchen eingenickt war erklärt ihm der Skipper, dass er nichts versäumt habe, weil wir in dieser Zeitspanne nur 20 Meter zurückgelegt hätten. Nach zahlreichen komplizierten  Segelmanövern laufen wir am späteren Nachmittag die Hafenanlage Palmizana auf der Insel Sv. Klement gegenüber der Insel Hvar an. Hier gibt es für Seefahrer eine ausgezeichnete Infrastruktur mit sehr sauberen und gepflegten Sanitäranlagen (bei Weitem keine Selbstverständlichkeit) und Shops mit einem sehr breitgefächerten Angebot (auch an exklusiven alkoholischen Getränken).

Gegen 18 Uhr bereitet uns Thomas auf vielfachen Wunsch aus Eiern glücklicher Hühner seine legendären Palatschinken, welche nicht nur klassisch mit Marmelade, sondern vereinzelt auch mit Chili-Pesto oder Ölsardinen gefüllt werden. Um 20 Uhr wandern wir über den die Hafenanlage umschließenden Bergrücken durch parkähnliche Anlagen mit Kiefern und zahlreichen Kakteen zum Restaurant ZORI, das von seiner Lage her mit Aussicht über eine kleine Bucht ausnahmslos jedem Crewmitglied sehr gefällt. Das Restaurant ist zum Meer hin offen, wir genießen die vielen architektonischen Besonderheiten der Anlage ebenso wie das ausgezeichnete Essen und die ruhige chill-out-lounge-Musik. Die Bedienung ist freundlich und zuvorkommend, die Tintenfische und zahlreiche Beilagen werden in überaus üppiger Form serviert und sind hervorragend zubereitet. Allerdings ist das Personal den Gästen zahlenmäßig fast überlegen, Auswirkungen der seit Jahren sehr selbstbewussten Preisgestaltung kroatischer Lokale?

Der Heimweg über den Bergrücken gestaltet sich wegen der bereits hereingebrochenen Dunkelheit etwas schwierig, allerdings hat unser Skipper eine Mini-Taschenlampe eingesteckt, mit der er uns den Weg durch die Dunkelheit erhellt. Gusti kommt uns in der Finsternis kurz abhanden; er kann sein Zurückbleiben schlüssig erklären, jedoch hätte er diese Verrichtung viel bequemer im Designer-Restaurant erledigen können.

Diesen Abend sitzt die ganze Mannschaft mit dem Skipper auf dem  Achterdeck der Lydia I zusammen, diskutiert wieder ungelöste Probleme der Menschheit und schaut etwas mitleidsvoll zum danebenliegenden, etwas kürzeren (gemeint ist kürzer als unser Katamaran) klassischen Einrumpf-Segelboot hinüber, auf dem 12 (!!!) deutsche Staatsbürger anscheinend doch noch immer gutgelaunt einen Segeltörn absolvieren.

Sonntag, 14. Juni 2015

RouteSonntag

 

Trotz des langen Vortages herrscht an Bord der Lydia I schon in den frühen Morgenstunden reges Treiben, was hoffentlich nicht als ein leises Vorzeichen der senilen Bettflucht interpretiert werden muss. Gusti war sogar schon um 6 Uhr im Meer baden. Im großzügigen Küchenbereich werden mehrere Durchgänge eines kräftigen Frühstücks bereitet, das vor allem aus Schinken und Eiern besteht. Danach kommt der Hafenmeister, Marco aus Stomorska, zu Besuch und kassiert die Hafengebühren. Damit steht der Ausfahrt nichts mehr im Wege.

Unter Segel geraten wir gegen Mittag in heftigen Wind und schwere See, und Martin, Gusti und Herbert haben ihren Spaß. Weniger Spaß hat der Chronist, der im Innenbereich des Schiffes die gestrigen Zeilen unter schlimmsten Achterbahn-Bedingungen niederschreibt und die Segler mehrmals zu etwas  rücksichtsvollerer Gangart auffordert. Als es auch noch zu regnen beginnt, besetzt Thomas in vollem Ölzeug die ungeschützte Brücke. Auf seinem Kopf trägt er ein schwarzes, offensichtlich wasserdichtes, unglaublich abenteuerlich aussehendes Gebilde, welches mit lappenartigen Ausläufern auch Nacken und Schultern vor Niederschlägen schützt. Zu unserer absoluten Verblüffung erklärt er uns, dass es sich dabei um einen Golfhut (!!!) handelt, der den unerschrockenen Golfspieler wetterunabhängig macht. Diese (schon sehr schräge) Kopfbedeckung wird ihm in einem unerwarteten Moment von einem heftigen Windstoß vom Kopf gerissen und der Golfhut ist in Gefahr, eine Seebestattung zu erleiden. Doch Gusti gelingt ein perfektes „Mann über Bord“ – Manöver und mit Hilfe eines Bootshakens gelingt es Thomas, seine Kopfbedeckung dem gierigen Schlund Neptuns gerade noch zu entreißen.

Wir laufen am Nachmittag das kleine Küstendörfchen Vrboska auf der Insel Hvar an, zu dessen „Dorfwirt“ wir seit Jahren nahezu freundschaftliche Beziehungen pflegen (richtig, es ist der Mann mit dem Augenbrauentoupet); der Skipper hat uns bereits telefonisch vorangemeldet. Nach einigen Schlückchen kroatischen Bieres sucht der Stoßtrupp „Abendessen“ zwei Fische (einen Drachenkopf und eine Brasse) aus der Eisvitrine für unser Nachtmahl aus. Das wenige Stunden später stattfindende Abendessen hat es wirklich in sich; nach einem Vorspeisengang mit Miesmuscheln und Oktopus-Salat werden die perfekt gegrillten Fische serviert, dazu Mangold-Erdäpfel und gegrilltes Gemüse.

Skipper und Mannschaft sind sehr zufrieden und ziehen sich nach dem Essen auf das unweit des Lokals gelegene Schiff zurück, um hier noch kurze (Thomas und Martin) oder etwas längere Zeit (Rest der Mannschaft und Skipper) über diverse Möglichkeiten zur Verbesserung der Welt zu diskutieren.

Samstag, 13. Juni 2015

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Unser gemeinsames See-Abenteuer beginnt eigentlich bereits am Freitag: Ein Skipper und fünf Crew-Mitglieder starten zu einem Törn unter dem Motto „Klein Pertholz in der Welle 2015“, wobei bereits die Auswahl des Mottos von ausgeprägtem Selbstbewusstsein zeugt. Unter den Teilnehmern befindet sich nämlich kein einziger autochthoner Klein Pertholzer. Unser Skipper (Skipper Martin hat in Kroatien einen legendären Ruf, unglaublich viele persönliche Kontakte und weiß für seine Crew Rat in allen Lebenslagen) kommt aus Gmünd, Martin und Thomas konnten jeweils eine Klein Pertholzerin zur Lebenspartnerin gewinnen, der Chronist war immerhin schon mehrmals persönlich in Klein Pertholz und Gusti ist angeblich auch schon durch Klein Pertholz durchgefahren. Lediglich Herbert hat aus beruflichen Gründen Klein Pertholz als Lebensmittelpunkt gewählt und ist somit als einziger „richtiger“ Klein Pertholzer zu bezeichnen. Nun aber sei der kurze philosophische Exkurs zur Wahl des Törn-Mottos beendet und wir kommen zur Sache.

Wie bereits erwähnt startet die Unternehmung am Freitag um 21:45 Uhr in Heidenreichstein, die beiden Waidhofner Crewmitglieder werden zwischen 21:15 und 21:30 Uhr in Waidhofen an der Thaya aufgelesen. Wir haben, wie bereits letztes Jahr, einen modernen, sehr geräumigen Kleinbus für die Fahrt nach Kroatien gemietet, der genug Raum für fünf Männer und deren umfangreiche Ausrüstung bietet. Nach zwischenfallsloser Fahrt mit kurzen Pausen am ehemaligen Grenzübergang Spielfeld (deftiges Nachtfrühstück) und an einem kroatischen Autobahnrastplatz erreichen wir um ca. 7 Uhr – erraten – das schöne Küstenstädtchen Primosten. Hier nehmen wir in der Pizzeria Fortuna (der treue Leser/die treue Leserin dieser Törnberichte weiß sofort, dass unser Skipper in diesem Lokal vor zwei Jahren selbstlos eine Mitarbeiterin des Lokales durch einen beherzten Griff an deren Körperschwerpunkt vor dem sicheren Absturz von einer Leiter gerettet hat, als diese eine Glühbirne wechseln wollte) ein kleines Frühstück ein und fahren dann weiter nach Split, um in der Marina Kastela unser Schiff zu übernehmen. Da der GETRO gerade umgebaut wird, rüsten wir uns beim LIDL mit dem noch fehlenden Allernotwendigsten aus.

Um ca. 10 Uhr sind wir mit allen Vorbereitungen fertig und wir vertreiben uns die Zeit in einem kleinen Lokal in der Marina mit der Aufnahme eines isotonischen Malzgetränkes, was auf Grund großer Hitze dann doch eher sedierend wirkt. Gegen Mittag beginnen wir mit dem Beladen des Schiffes; uns wird diesmal, wie bereits vor zwei Jahren, wiederum der Katamaran „LYDIA I“ zur Verfügung stehen, der sich durch großzügigste Raumverhältnisse auszeichnet und dessen ausgeprägte Weite mit sich bringt, dass wir einander trotz Herumwandern auf den Schiff oft stundenlang nicht begegnen. Die Beladung gestaltet sich auf Grund der umfangreichen Ausrüstung und der mörderischen Hitze höchst qualvoll und endet fast mit einem Massenkollaps.
Doch auf See ist die Temperatur erträglicher und es weht eine leichte, kühlende Brise. Wir laufen nach kurzer Fahrt das kleine, verschlafene Küstendörfchen Stomorska auf der Insel Solta an, wo wir nach einem gelungenen Anlegemanöver von einem danebenliegenden bundesdeutschen Motorbootfahrer überraschend beleidigt werden, weil er uns völlig grundlos als Anfänger bezeichnet. Ein Manöverschluck lässt solch völlig unbegründete Frechheiten allerdings schnell vergessen und wir chillen noch ein bisschen, um das Ende der großen Hitze abzuwarten.

Zumindest zwei Lokale schicken junge Frauen aus, um die Crew der Lydia I zum Abendessen in ihrem Lokal einzuladen, der Skipper nimmt diese Einladungen distanziert-höflich entgegen. Abendessen gehen wir allerdings in ein anderes Lokal, in dem restlos alle Crewmitglieder und auch der Skipper mit ihrem Essen sehr zufrieden sind und deswegen das Lokal dem ungerechten deutschen Nebenlieger weiterempfehlen. Da alle Seemänner der Lydia I wegen des langen Transfers aus dem Waldviertel ziemlich müde sind, gehen Skipper und Mannschaft noch an diesem Tag in ihre Kojen, nur Gusti und der Chronist überziehen noch wenige Minuten, um eine bereits teilweise geleerte Flasche kroatischen Rotweins gänzlich zu entleeren.