Donnerstag, 16. Juni 2016

Der Sturm tobt noch die ganze Nacht, am Morgen scheint wieder die Sonne und der Wind hat sich gelegt. Heute bricht unser letzter Schifferlfahrtag an, wo unser erstes Arbeitsprogramm das Auftanken des Katamarans sein wird. Nach einem deftigen Frühstück an Bord legen wir (wie immer) problemlos ab und steuern die nächstgelegene Tankstelle in Rogac an. Nach relativ kurzer Wartezeit befüllen wir den Katamaran mit 150 Litern Diesel und fahren weiter. Die Segelbuben (Gusti und Martin S.) fahren die Segel aus und wirklich machen wir über acht Knoten Fahrt (bei ausgeschalteten Motoren).

Zum Zeitpunkt des Schreibens dieser Zeilen (14:30 Uhr Lokalzeit) wird bereits der 2. Badestopp (!!!!!!!) vor dem Kap von Slatine durchgeführt, und schrille, jungmädchenhafte Schreie der Badenden zeugen wiederum von einer angenehmen Wassertemperatur.

Danach werden wir wieder in die Marina Kastel Gominiza zurückfahren, wo sich der Kreis dieses Törns schließen wird. Das Abendprogramm wird noch diskutiert, entweder lassen wir uns von Sergio nach Split oder nach Trogir fahren. Es wird auch ernsthaft angedacht, unseren 2-Stunden Schläfer zu Essen einzuladen, um ihm eine kurze Verschnaufpause in seinem im Sinne des Wortes bewegten Leben zu ermöglichen.

 

Mittwoch, 15. Juni 2016

Nach und nach erwachen die Lebensgeister der Crew und des Skippers, welcher zur Verwunderung der gesamten Mannschaft das erste Mal nicht als Letzter aufsteht. Was ist nur der Grund für dieses Jahrhundertereignis? Beginnende senile Bettflucht? Oder schlicht und einfach „zeitiges“ Schlafengehen? Egal, niemand von uns kann und will das eruieren und wir gehen in ein Lokal gegenüber, um ein kleines Frühstück einzunehmen. Die sehr junge, unglaublich freundliche, dauerlächelnde und offensichtlich hochmotivierte Kellnerin ist mit unseren Bestellungen schwer überfordert, aber wir kommen doch nach und nach zu unseren Orangensäften und Toasts.

Nach einem eleganten, und der erfahrene Leser dieser Zeilen errät es: wortlosen Ablegemanöver fahren wir in Richtung Maslinica auf der Insel Solta. Dies deswegen, weil eine Sturmwarnung durchgegeben wurde und der Skipper verantwortungsvoll einen eher nahegelegenen Hafen ansteuern will. Auf Grund fast ständiger, die harte Schale des Skippers penetrierender Begehren einzelner Mannschaftsmitglieder, die Segel zu hissen, lässt sich dieser erweichen und wir setzen nach einigen Seemeilen   motorisierter Fahrstrecke die Segel.

Das Segeln gestaltet sich so, dass wir mit (nahezu) voller Segelfläche zehn Minuten mit sieben Seemeilen Strecke gewinnen, aber danach zirka eine Stunde mit gefühlten 0,0 Seemeilen dahin(fahren)stehen. Jeder halbwegs engagierte Schwimmer hätte uns locker überholt. Daraufhin werden die Segel eingeholt und der Skipper mit einem für ihn weiteren, nahezu an Beleidigung grenzenden Wunsch der Mannschaft, nämlich einen Badestopp einzulegen, konfrontiert. Allerdings dürfte der unüblich frühe Tagesbeginn des Skippers dazu beitragen, diesen Wunsch unerwartet gewogen zu beurteilen und in der nächsten geeigneten Bucht wird ein gelungenes Ankermanöver durchgeführt. Die Buben und der Skipper begeben sich in das, den einzelnen erschrockenen Lautäußerungen zufolge, angenehm warme adriatische Meer, um wie Kinder herumzuschwimmen und herumzuprusten.

Lediglich der Chronist, von einer schweren, unheilbaren Kalt- und Salzwasserallergie betroffen, sieht sich das Spektakel verständnislos kopfschüttelnd von Bord an, führt die (natürlich zensurierte) fotografische Dokumentation durch und steht in der Nähe einer der Rettungsringe, um im Notfall eingreifen zu können. Abgesehen davon sieht, wie der geneigte Leser ohnehin weiß, das internationale Seerecht in solchen Fällen zwingend vor, dass ein geeignetes, womöglich nüchternes Crewmitglied an Bord bleiben muss, um im Verlustfall der Mannschaft das leere Schiff sicher in den Charterhafen zurückbringen.

Dazu kommt es allerdings nicht einmal ansatzweise; und nach glücklichem Wiedersehen an Bord kochen Thomas und insbesondere Harald in der Kombüse herrliche Palatschinken, die von der Mannschaft klassisch (Marillenmarmelade mit Staubzucker) oder ein bisschen sehr anders (scharfes Gemisch von Gusti) gefüllt und verzehrt werden. Harald gelingen immer dünnere Palatschinken, die zum Schluss bereits einem Mikrotomschnitt gleichen.

Nach perfektem Anker-Einziehmanöver geht die Fahrt weiter nach Maslinica, welches wir nach Aufzeichnungen des Skippers um 16:50 Uhr erreichen. Hier wieder ein sehr gelungenes Anlegemanöver, und wir sind von allen kommenden Stürmen der Adria in Sicherheit. Empfangen werden wir von einer Mitarbeiterin der Marina namens Angelina, die einem blonden, zarten Engel gleicht und uns in perfektem Englisch davon zu überzeugen versucht, wegen des angesagten Sturmes doch zwei Tage zu bleiben.

Am Abend gehen wir die kleine Ortschaft erkunden, die wir bereits 2013 das erste Mal besucht haben. Zuerst nehmen wir ein kleines Getränk in einem wunderschönen, auf einer Art Kap mit herrlichem Meerblick gelegenen Lokal ein, um danach in das Lokal „Konoba“ zu wechseln, wo mehrere Crewmitglieder Pizza bestellen, welche nach üppigen Vorspeisentellern ausschließlich für den Skipper kein unüberwindbares Problem darstellt.

Danach begibt sich nahezu die gesamte Mannschaft an Bord, lediglich der Skipper und Harald genehmigen sich noch einen Gin Tonic im Hafen, kommen allerdings wenige Minuten später auch aufs Schiff.                 

Dienstag, 14. Juni 2016

Wieder beginnt der Tag eher gemütlich und wir machen uns keinen Morgenstress. Nach und nach erscheinen die Crewmitglieder an Deck und bewegen sich in Richtung der nahen Sanitäranlagen, die (wie in Primosten nicht unüblich) lediglich ziemlich kühles Wasser für die Duschen bieten. Nun gut, wenigstens kommt es dadurch zu keiner Süßwasserverschwendung und die Lebensgeister werden auch angeregt.

Nach der Grundreinigung finden wir uns im „Fortuna“ ein, um ein kräftiges Frühstück zu uns zu nehmen. Das angebotene Omelett beinhaltet alles, was eine langanhaltende Sättigung bewirkt. Danach besteigen wir den Hügel, auf dem die Kirche und der Friedhof mit der besten Aussicht der Welt liegen. Nach einer gemütlichen Runde durch Primosten legen wir, ohne mit Worten zu kommunizieren (das taugt dem Skipper immer so), gekonnt ab und nehmen die 27 Seemeilen nach Vrboska auf der Insel Hvar in Angriff.

Die Reise verläuft bis auf stellenweise unruhige See recht beschaulich, als Höhepunkt begegnet uns nachmittags eine aus ca. 10 Tieren bestehende Schule  Delphine, die nur wenige Meter backbords vorbeischwimmen. An den Delphinen sind dabei alle Details zu erkennen; bis allerdings die Motoren gestoppt sind und die Kamera in Position gebracht ist, sind die Tiere leider bereits wieder ca. 50 Meter entfernt, zeigen allerdings noch etliche „Kunststücke“ wie etwa Herausspringen aus dem Wasser.

Um 17:53 Uhr (laut der genauen Aufzeichnungen des Skippers) legen wir im Küstendörfchen Vrboska gekonnt an und die Neigungsgruppe „Fußball-EM“ begibt sich eilig in das nahegelegene Lokal „Trica-Gardelin“ (richtig, dort sind wir jedes Jahr und der Besitzer ist der Mann mit dem Augenbrauentoupet, Kurzname „Pero“) um das Spiel Österreich gegen Ungarn zu sehen. Der Skipper und der Chronist bleiben auf Grund eher schwach ausgeprägter Fußballleidenschaft noch einige Zeit am Schiff und besprechen bei einem Gläschen Wein das letzte Manöver, um nach dem 1:0 für Ungarn zu den Fußballbegeisterten zu stoßen. Das Fußballspiel verläuft nicht nach den Vorstellungen der Crew und so verlassen einige der Zuseher das Lokal bereits vor dem Ende des Spieles. Auch Pero übertreibt mit dem Augenbrauentoupet bereits ein bisschen.

Abends begeben wir uns wieder in das Lokal, denn wir haben uns nachmittags in der Kühlvitrine Fisch ausgesucht, der nun in gegrillter Form für uns bereitsteht. Nach einem absoluten Fisch-Genusserlebnis mit etlichen Gläschen des empfehlenswerten, leichten Hausweins begeben sich Skipper und Crew wieder auf das Boot, um den vergangenen Tag zu besprechen und den kommenden zu planen.